In diesem Hotel ist Regionalität mehr als nur ein Schlagwort

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Er wusste nicht, worauf er sich eingelassen hatte – aber missen möchte Andy Imfeld seine Erfahrungen als Wirt des Hotels und Restaurants Walser in Ulrichen um keinen Preis. Im Gespräch mit dem Gommer Sommermagazin blickt er auf ein Jahrzehnt als Hotelier zurück.

«Gestern ist es spät geworden, wir haben wieder lange Musik gemacht»,

eröffnet uns Andy Imfeld, als wir uns zum Interview treffen. Das Hotel und Restaurant Walser in Ulrichen ist dafür bekannt, dass der Wirt regelmässig gemeinsam mit der Musikgruppe Chorbini & Friends musiziert. «Wenn wir loslegen, schliessen sich oft Hotelgäste an, spielen ein Instrument oder singen mit», erzählt Andy Imfeld. Damit alle mitsingen können, werden die Liedtexte auf dem Fernseher abgespielt. Das Repertoire reicht vom Walliserlied über französische Chansons und italienische Canzoni bis hin zu englischen Popsongs. «Ein Gast sagte nach einem solchen Abend mit heiserer Stimme, er habe seit 20 Jahren nicht mehr so viel gesungen und Spass gehabt.»

Eine weitere unvergessliche Gästegeschichte ist, wie ein älteres Paar im «Walser» zusammengefunden hat. «Beide waren unabhängig voneinander schon mehrmals allein bei uns und assen jeweils für sich an einem Zweiertisch. Mit der Zeit kamen sie ins Gespräch, zunächst zögerlich, dann wurden sie immer offener. Am letzten Abend sassen die beiden zusammen und unterhielten sich angeregt», berichtet Andy Imfeld. Ein Jahr später kehrten sie als Paar zurück. «Sie sind gemeinsam vorgefahren und haben uns erzählt, dass sie nun zusammen sind.»

Wie die Hotelübernahme zur strengsten Lehre wurde
2026 feierte das Wirtepaar sein zehnjähriges Jubiläum im Hotel Walser. Was hätte Andy Imfeld bei der Übernahme gerne schon gewusst? «Ich war zuvor jahrelang Rechnungsrevisor für das ‹Walser›, wohnte nur 200 Meter entfernt und kannte das Haus gut. Trotzdem wussten meine Frau Alice und ich nicht, worauf wir uns einliessen», erinnert sich der Gommer. Die ersten Jahre seien die strengste Lehre seines Lebens gewesen. «Oft bin ich nachts aufgewacht und habe mich gefragt, was wir uns da eingebrockt haben», so der ehemalige Landwirt aus Ulrichen.

Das vergangene Jahrzehnt im «Walser» war geprägt von Veränderungen. Das Wirtepaar baute unter anderem eine neue Liftanlage ein, renovierte die Hotelzimmer komplett, baute die Terrasse mit Überdachung um, gestaltete die Heizung nachhaltiger und richtete im alten Nebengebäude fünf zusätzliche Hotelzimmer ein. «Diese Arbeiten vergeben wir nach Möglichkeit immer an einheimische Unternehmen», sagt Andy Imfeld. Denn trotz der Neuerungen ist die enge Verbundenheit zur Region und das klare Bekenntnis zur Regionalität unverändert geblieben.

Das sind die beliebtesten (Sommer-)Gerichte
Im «Walser» wird fast ausschliesslich Fleisch vom regionalen Bio-Rind und Alpschwein verwendet und im Sommer gehören Roastbeef mit Remouladensauce, Siedfleischsalat, Spareribs vom Alpschwein und Spaghetti mit Hauswurst zu den Lieblingsgerichten der Gäste. Doch auch die Walliser Käseschnitte dürfe – selbst im Hochsommer – nicht fehlen, ergänzt Andy Imfeld lachend. Die Weinkarte beinhaltet grösstenteils Walliser Weine und der Hotelwirt verrät, dass er nächstes Jahr den ersten zehnjährigen Gommer Whisky aus Eigenproduktion in den Verkauf bringt.

Andy Imfeld war 2007 der geistige Vater der beliebten Pro-Montagna-Bergproduktelinie von Coop. Die Rohstoffe für die Produkte dieser Linie müssen aus den Bergzonen stammen und auch dort verarbeitet werden. Ein Teil des Verkaufserlöses geht an die Coop-Patenschaft für Berggebiete, mit der Projekte in Schweizer Bergregionen unterstützt werden.

Regionalität zeigt sich im «Walser» nicht nur auf dem Teller oder im Glas. So hat das Wirtepaar bei der Heizungserneuerung von Öl auf lokal produzierte Holzpellets von Forst Goms umgestellt und Solarpanels installiert. Im Hotel und Restaurant Walser können Goms-Besuchende das Hochtal also mit allen Sinnen erleben, wenn sie den Tag in der einmaligen Landschaft mit lokalen Köstlichkeiten, den bereits zu einer Gommer Institution gewordenen Musikabenden und einer Dusche mit sonnengewärmtem Wasser abschliessen.